Einleitung

Astrofotografie wurde ja in den letzten Tagen/Wochen etwas „hipper“ als in den Medien alles vom „Blut Mond“ voll war und ich muss zugeben, es war auch bei mir der Auslöser, mich damit etwas tiefgehender zu beschäftigen. Ich hab zwar schon immer gerne Fotos vom Mond gemacht, allerdings hab ich das nie geplant und mir auch nie wirklich Gedanken drüber gemacht – bis vor 3 Wochen.

In der Nacht vom 27.9. auf den 28.9. 2015 sollte also mal wieder ein echtes Himmelsschauspiel stattfinden und dieses Mal wollte ich nicht durch Zufall da ein Foto machen, sondern ein paar ordentliche Fotos vom Mond abliefern, also habe ich mich ein wenig damit beschäftigt.

Es war zwar aus den Medien genug zu erfahren, dass die Mondfinsternis um etwa 3 Uhr morgens los geht und gegen 4:50 Uhr etwa ihren Höhepunkt hat, aber das war mir nicht genug, da ich auch wissen wollte, wo muss ich da eigentlich sein, damit ich es sehen kann.

Sehr hilfreich hierbei war folgende Seite: www.mooncalc.org wo man schön den Verlauf des Mondes, mit Aufgang und Untergang aber auch die Höhe zum jeweiligen Zeitpunkt gut sehen kann.

www.mooncalc.org

www.mooncalc.org

Nun da ich wusste wo der Mond und wann aufgeht, konnte ich mich auf die Suche nach einem geeignetem Platz machen. Ich wollte nicht einfach nur den Mond einfangen, sondern auch gerne ein wenig meiner Heimatstadt mit ins Spiel bringen.

Da der Mondaufgang mit dem Aufstieg über den Horizont beginnt, wo er dann auch am größten aussieht, fiel meine Ortswahl auf den Stadtpark, hoch gelegen über Boizenburg mit toller Sicht über die Stadt und vor allem mit freiem Blick auf den aufgehenden Mond. An dieser Stelle sollte ich dann auch bis spät in die Nacht verweilen.

Der Mond über Boizenburg

Mond über Boizenburg

Für das eigentliche Spektakel des „Blut Mondes“ konnte ich mich aber bequem auf den Balkon meines Hauses zurück ziehen, da ich von dort, auch aus erhöhter Lage, von 2 – 6 Uhr perfekt den Mond und natürlich die Stadt im Blick hatte.

Blutmond

Blutmond

Ein toller Nebeneffekt so einer totalen Mondfinsternis ist im übrigen die Dunkelheit am Himmel, die man schön nutzen kann um u.a. die Milchstrasse nebenher zu knipsen (ich hatte schon einige hundert Blutmond Fotos im Kasten).

Milchstrasse bei totaler Mondfinsternis

Milchstrasse bei totaler Mondfinsternis

Beim durchschauen der Fotos am nächsten Tag war ich aber mehr von den Milchstraßen Fotos angetan als von den Blutmond Fotos – nun war meine Lust an mehr solcher Fotos geweckt und die Grundlage für diese eigene Rubrik in meinem Blog geschaffen 🙂

Technik

Über die Technik zur Astrofotografie wird oder wurde in den diversen Foren oder Blogs schon mehr als genug geschrieben, ich möchte das hier weder „plagiatieren“ und auch nicht das Rad neu erfinden, daher findet Ihr hier nur eine kleine Liste von Links zu tollen Seiten zu diesem Thema im Anhang. Eine Zusammenfassung zu den Sachen die ich nutze möchte ich aber trotzdem geben.

Es muss für den Einstieg nicht die „Ultra Super“ Ausrüstung mit Nachführstativ, Sony A7RII oder sonst wie cooles Zeug sein. Eine gute DSL(R/M) und ein möglichst weit winkliges, licht starkes Objektiv sowie ein stabiles Stativ reichen schon für den Anfang. Wer mehr in Richtung Mond Fotos gehen möchte, der sollte dazu noch ein gutes Tele (also 300mm+) haben.

Meine aktuelle Ausstattung in diesem Bereich ist ein altes Manfrotto Stahlstativ (sau schwer aber ulta stabil), ein fast 40 Jahre altes Maksutov Spiegeltele Objektiv („Russentonne“), ein nagelneues Samyang 7,5mm Ultraweitwinkel und natürlich meine Olympus OM-D E-M5 mit Batteriegriff (für mehr Akku Power) sowie einem programmierbaren Kabelfernauslöser von Pixel.

Der richtige Platz

Wie ich in der Einleitung schon erwähnte, ist gerade bei der Astrofotografie der richtige Platz entscheidend. Nur der Himmel ist mir zu wenig, etwas Vordergrund sollte schon sein. Den interessantesten Vordergrund hat man aber leider meistens in Städten, welche aber dank der Lichtverschmutzung für Astrofotos total unbrauchbar sind. Wir suchen also etwas dunkles, etwas richtig dunkles und dazu noch mit schöner Natur oder anderen Dingen. Suchen wir uns aber erstmal dunkle Flecken in Deutschland.

Lichtverschmutzung

Viele Menschen die in Großstädten wohnen kennen das, man steigt des Nachts ins Auto und kann sicher durch die Stadt fahren ohne auch nur das Licht am Auto anmachen zu müssen – die Städte sind so extrem hell (Strassenlampen, Reklame und Schaufenster etc). Für Astrofotos ein äußerst ungeeigneter Ort, wir müssen also raus. Zum Glück wohne ich auf dem Land (in der Pampas sozusagen) wo es schon wesentlich dunkler ist (als ich vor 4 Jahren wieder in meinen Heimatort zurück gezogen bin, war ich erstaunt, wie viele Sterne doch hier am Himmel zu sehen sind) und man eigentlich schon direkt los legen kann.

Lichtsituation in Boizenburg

Lichtsituation in Boizenburg

Man sieht hier schon sehr, sehr viel Sterne, leider aber auch recht viel Licht von der Straßenbeleuchtung. Die vorm Haus stellt sich gegen Mitternacht ab und gegen 5 Uhr wieder an, also ein recht kleines Zeitfenster für Astrofotos oder gar Sternenspuren. Dazu kommt noch ein extrem nerviger Lichtdome über der Stadt – ich muss also was dunkleres suchen.

Lichtverschmutzungskarten Deutschland

Es gibt da eine tolle Seite, wo man sich die Lichtverschmutzung in Deutschland ansehen und dann nen dunklen Flecken suchen kann: Lichtverschmutzung Deutschland

Lichtverschmutzung-Norddeutschland

Hier sieht man sehr schön wie hell die Großstädte sind, aber wenn wir mal nach Boizenburg rein zoomen, wird einem schnell klar: Auch das ist nicht perfekt – ab in die Teldau!

Lichtverschmutzung-Boizenburg

Ich kann Euch versichern, als ich letzten Freitag dort war: Man sieht die Hand vor Augen nicht, also Taschen oder besser noch Kopflampe einpacken, sonst findet Ihr das Stativ nicht mehr das ihr gerade aufgebaut habt! Aber diese Stelle lohnt sich, hier mal die Milchstrasse in der Teldau aufgenommen:

Milchstrasse in der Teldau

Milchstrasse in der Teldau

Planung/Wetter

Da wir nun wissen wo wir fotografieren, bleibt die Frage wann wir loslegen und was wir fotografieren wollen. Wollen wir den Mond, dann sollten wir an unserem ausgesuchten Platz vor Aufgang des Mondes sein, da der Aufgang am spektakulärsten ist. Wo und wann können wir wie gesagt leicht hier herausfinden: www.mooncalc.org

Mooncalc2

Zu früh, also bei einem negativem Winkel können wir den Mond logischer Weise noch nicht sehen, da er noch unterhalb des Horizontes ist, aber wenn der Wert positiv wird, dann gehts langsam los.

Mooncalc3

Wichtig ist natürlich ein klarer Tag, keine Wolken, kein Regen und kein Neumond sonst sehen wir nicht viel vom Mond. Also Mondphasen kennen oder planen, am besten mit: www.timeanddate.com und das Wetter im Auge behalten, ich schaue immer auf das Niederschlagsradar und Satellitenfilm.

Wollen wir stattdessen lieber die Milchstrasse oder andere Objekte fotografieren, sollten wir lieber einen mondlosen Tag aussuchen, aber trotzdem mit gutem Wetter 😉

Fotografieren

Nachdem wir unseren Platz gefunden haben und das Wetter mit spielt, machen wir uns an Werk und knipsen ein paar Himmelsobjekte. Hier sollten wir aber vorab entscheiden was wir fotografieren wollen, denn danach richten sich unsere Camera Settings.

Mond

Der Mond ist verdammt hell, man kann tolle Mondfotos locker aus freier Hand schießen, aber wenn man mehr Details will und mit extremen Brennweiten arbeitet, dann sollte man doch lieber ein Stativ nehmen. Ich nehme für meine Mondfotos immer meine alte Russentonne, die an meiner Olympus zu einer 1000mm Linse mit Blende 10 wird – es kommt also nicht so verdammt viel Licht rein, aber wie ich sagte: Der Mond ist verdammt hell.

Mond bei 1000mm, Blende 10, ISO 200 und 1/200sec

Mond bei 1000mm, Blende 10, ISO 200 und 1/200sec

Sterne

Die Sterne sind nicht annähernd so hell wie der Mond, sie sind wesentlich weiter Weg und es trifft wesentlich weniger Licht bei uns auf dem Sensor auf. Im vergleich zum Mond, muss für Milchstrassen oder andere Sternen Fotos wesentlich länger belichtet werden. Fangen wir aber mit einem einfachen Objekt an, der Milchstaße, die man hier sehr gut mit bloßem Auge sehen kann. Wir können hier nun überlegen, wollen wir Sternenspuren, Timelaps Videos oder klare Fotos von den Objekten.

Sternenspuren

Für Sternenspuren gibt es wieder 2 Möglichkeiten:

  • Lange belichten
    • Nachteil: Sensor wird heiss und rauscht
    • Vorteil: Ein Foto, leichtere Nachbearbeitung

Kurz gesagt: Kamera auf Stativ stellen, ISO Werte einstellen, bei denen wir die Sterne gut sehen (so ab ISO 1600-6400) , manuelle Einstellungen, Kabelauslöser und Kamera auf BULB stellen. Auslösen und warten……lange warten…..sehr lange warten.

  • Oft kurz belichten und „stacken“ (siehe klare Fotos etwas weiter unten)
    • Nachteil: Mehr Bearbeitungsaufwand
    • Vorteil: Klareres, rauscharmes Foto

Wenn man Startrails lieber aus einzelnen Fotos stacken will, so kann man, wie bei den „klaren Fotos“ einfach sehr viele Bilder machen und diese dann mittels Software zusammen legen. StarStaX ist hier wohl der „Platzhirsch“ wenn man es nicht per Hand in Photoshop machen will.

Star Trails mit StarStaX gemerged

Star Trails mit StarStaX gemerged

Klare Fotos

Ich bin kein großer Freund von Sternspuren und ziehe klare Fotos von den Objekten oder aber Timelaps Videos davon vor. Wie schießen wir aber klare Fotos von Sternen ohne dass wir die Bewegung der Objekte im Bild sehen? Dafür gibt es eine kleine, aber gut funktionierende „Regel“:

Garwitz bei Parchim ist wirklich ein sehr, sehr dunkler Platz!

Garwitz bei Parchim ist wirklich ein sehr, sehr dunkler Platz!

500er Regel

Fotografen fahren für die Kamera Einstellung recht gut mit der sogenannten 500er Regel von David Kingham. In Kurzform sagt sie aus:

  • 500 / Brennweite der Linse = max. Belichtungszeit.

Also bei einer 10mm Linse an Vollformat ergibt das: 500 / 10 = 50sec max Belichtungszeit. Wenn wir das an einer Crop Camera verwenden, dann wird nicht nur aus dem 10 eine 15er Linse, auch die maximale Belichtungszeit verkürzt sich auf 33sec und bei dem Crop 2 Faktor meiner Olympus würde aus der 10er Linse eine 20er werden und ich könnte maximal 25sec belichten ohne das die Sterne Spuren ziehen.

Hier mal eine kleine Tabelle mit einigen Brennweiten und deren maximalen Blichtungszeiten, sowohl an Vollformat als auch bei diversen Crop Faktoren.

500rule

PS: Die grün markierten sind meine verfügbaren Linsen, ist also eher für mich eine Gedächtnisstütze 😉

Weiter geht es irgendwann im Teil 2 mit Deeps Sky Objekten